Pfarrei Edelstetten

Pfarramt Neuburg/Ka.
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Die Edelstetter Barockkrippe


Der Krippenberg


Krippenberg, Geburt und Anbetung


Geburt im Stall

Der Berg ist die profane Welt mit all den Figuren und Bildern aus dem Alltagsleben, der Bereich rund um den Stall ist »geheiligt« durch die zentralen Themen der Geburt und der Anbetung. Hier sind wir bei der Hauptsache angelangt, ohne die es keine Krippe gibt: das Kind in der Mitte des Stalles, daneben Maria und Joseph. Um diese optische und geistige Mitte herum können dann all die Bilder der Evangelientexte lebendig werden. Während die meisten schwäbischen Krippenbauer die Geburt in eine Höhle verlegen, bevorzugt die Barockkrippe einen schadhaften Stall oder eine Palastruine. Die zerfallene Ruine ist zum Symbol für das zerfallende antike Heidentum geworden, das durch das Kind in der Krippe überwunden wird.


Krippenberg mit Jerusalem
Der Berg in der Krippe ist nicht nur ein Nachklang der heimischen Umgebung, er hat auch in theologischem Sinne ausgeprägten Symbolcharakter. – In der Edelstetter Krippe ist der Berg – fast in barocker Übersteigerung – zu einem eindrucksvollen, beherrschenden Gebilde geraten. Aus der Ebene steigt eine fast senkrechte, steile Wand empor, die halbe Rückwand des Raumes füllend, kunstvoll zusammengefügt aus Stumpenteilen, durchsetzt mit Höhlen und Klippen, Schluchten und Brücken, Treppen und Wegen. An einer Stelle erfährt der hochgetürmte Berg eine weitere Erhöhung: Da ragen über der Felswand Tore, Mauern, Türme und Hausfassaden empor – die Stadt auf dem Berge, das himmlische Jerusalem. Der Thannhauser Maler Xaver Abele hat für die Neugestaltung des Jahres 1901 die Pappkulissen bemalt und zum Fantasiebild der Stadt Jerusalem zusammengefügt.


Die Flucht nach Ägypten

Es gibt kaum eine Zutat in der Krippe, die nicht auch einen religiösen Hintergrund hat und Gedankenverbindungen eröffnet. Neben dem Alltagsgeschehen sind im Berg auch zwei biblische Ereignisse dargestellt: Die Flucht nach Ägypten zwingt die Heilige Familie – wie in allen Krippen – in unwegsames, gefährliches Gelände. In der schwäbischen Hauskrippe begleitet ein Engel die Fliehenden; in der Barockkrippe weisen drei Heroldengel den Weg.


Die Darstellung im Tempel


Darstellung Jesu im Tempel

Aus dem Geschehen im Tempel hat man mit dem Lobpreis des Simeon die innigste und tiefsinnigste Szene ausgewählt und ihr die Darstellung in einem eigenen Krippenkasten gewidmet. Das anspruchsvolle Tempelgebäude entstand natürlich aus der Fantasie des Krippenbauers. Eine weite, offene Säulenhalle trägt die Aufbauten. Die hebräischen Schriftzeichen in der Kartusche an der Giebelseite und an der Rückwand des Tempelraumes kennzeichnen beide Stellen als „Heiligtum Gottes“. Das wichtigste Geschehen spielt sich im Vordergrund ab. Da steht, dem Betrachter nahe, die würdevolle Gestalt des greisen Simeon. Vom Heiligen Geist erleuchtet, spricht er den Lobgesang auf das Kind, das er in seinen Armen hält. Maria und Joseph stehen staunend und ergriffen neben Simeon. Joseph hält in einem Körbchen zwei Tauben bereit, die Opfergaben der ärmeren Leute. Der Hohepriester mit dem Brustschild und dem Kopfbund, den Insignien seines Amtes, hält sich im Hintergrund zurück.


Der Kindermord von Bethlehem


Der Kindermord von
Betlehem vor dem
Tempel des Herodes

Freude, Friede, Wohlgefallen – diese Worte und Verheißungen erklingen in der Heiligen Nacht, sie durchdringen auch die Szenen der Krippe. In dieser friedvollen Atmosphäre zeigt dann ganz unvermittelt die Kindermordszene, das dunkelste Kapitel der Weihnachtsgeschichte, das Böse in der Welt auf grausame, erschreckende Weise. Wie bei den Ereignissen im Tempel brauchte man auch für diese Darstellung ein Gebäude. Den anspruchsvollen Bauten der Edelstetter Krippe ist hier ein schönes Barockhaus zugefügt. Das untere Geschoss hat zwischen den tragenden Säulen keine Zwischenwände, so dass man ungehindert hineinschauen kann in den einzigen Raum des Erdgeschosses. Da sitzt Herodes auf dem Thron, gekleidet wie ein türkischer Herrscher in grüner Pluderhose und rotem Umhang, auf dem Kopf den mit drei Muscheln geschmückten Turban. Eine Hauptrolle im ganzen Geschehen spielt eine eigenartige Figur: Es ist der Teufel höchstpersönlich, der an den Despoten heran rückt und ihm die bösen Gedanken eingibt. Draußen, auf dem Platz vor dem Palast, werden diese Einflüsterungen grausame Wirklichkeit.

Das Haus Nazareth


Das Haus Nazareth

Durch die Flucht nach Ägypten hatte sich die Heilige Familie der Gewalt des Herodes entzogen. Nach zwei Jahren, nach dem Tode des Herodes, kehrte die Familie zurück nach Nazareth in das »traute Heim«. Es ist eine Szene, die nur ungetrübtes häusliches Glück ausstrahlen kann; das Genrehafte wird ihr immer irgendwie anhaften. Die Darstellung in der Krippe ist zweigeteilt: Die rechte Seite zeigt die drei Personen der Heiligen Familie bei der Arbeit, ein ganz reizender Barockgarten beansprucht die linke Hälfte. Maria sitzt – wie in den meisten Krippen – am Spinnrad, der schon kräftig herangewachsene Jesusknabe hilft seinem Vater. Der Tod am Kreuz von Golgatha wirft in
Der Barockgarten
dieser friedlichen Atmosphäre seinen dunklen Schatten voraus, wenn die beiden hier an einem Kreuz arbeiten. Der umzäunte Garten entspricht der Gartenarchitektur der Barockzeit: In der Mitte steht der Brunnen aus weißem Marmor, die übrigen Flächen sind geometrisch genau eingeteilt. Ihre Eintiefungen an der Brunnenseite ergeben den runden Platz in der Mitte. Was sind das für reizende, rosa blühende Rosenbäumchen, die dem Garten Anmut und Zauber verleihen!

Der zwölfjährige Jesusknabe im Tempel


Der zwölfjährige Jesusknabe
im Tempel

Der zwölfjährige Jesusknabe, der die Elite ausgeklügelter Schriftgelehrter in Erstaunen versetzt, hat die Krippenbauer schon immer fasziniert. Dargestellt ist der spannendste Augenblick: Maria und Joseph nähern sich dem Tempel und finden dort ihren Sohn, der in Jerusalem zurückgeblieben war, inmitten der Schriftgelehrten. Einer sitzt an einem Tischchen, über ein aufgeschlagenes Buch gebeugt. Sie sind alle gleich gekleidet im langen, violetten Talar, der bis heute als Zeichen der Gelehrsamkeit von Professoren, Richtern und Pfarrern getragen wird. Der Hohepriester, die höchste Instanz in Fragen des Glaubens und des Tempeldienstes, unterstreicht durch seine Anwesenheit das Außergewöhnliche der Situation. Äußere Zeichen von Amt und Würde sind sein Brustschild mit den zwölf Edelsteinen, welche die zwölf Stämme Israels symbolisieren, und der Kopfbund.

Die Hochzeit zu Kana


Die Hochzeit zu Kana

Für die Krippenbauer könnte der Weihnachtsfestkreis kaum besser abschließen als mit der Hochzeit zu Kana. Auch in Edelstetten wird sich wohl jeder Besucher an der Darstellung dieser Festlichkeit erfreuen. Sie ist in ganz besonderer Weise dem Stil der Krippe angepasst, der in allen Szenen höfisches Leben der Barockzeit ausdrückt. Schon der Rahmen für dieses Hochzeitsfest ist der feinen Gesellschaft angemessen. Ein nobles, barockes Gebäude, das in seiner Art an ein anspruchsvolles Puppenhaus erinnert. Im Festsaal sitzen das Brautpaar und die Gäste an der langen Tafel.
Jesus und Maria bei der
Hochzeit zu Kana
Das Brautpaar ist besonders herausgehoben durch kostbare Kleidung und wertvollen Schmuck. Jesus steht segnend neben den Krügen. Seine Mutter beobachtet ihn aus einiger Entfernung. Ein hoher, vornehm gekleideter Gast hat sich anscheinend verspätet.
Ein verspäteter Gast
Er fährt gerade in einer reich verzierten Kutsche vor, die von zwei prächtigen Rappen gezogen wird. Es ist eine schöne Ergänzung des Gesamtbildes, die den höfischen Charakter der Szene unterstreicht. Der Blick in die Küche, die vor zweihundertfünfzig Jahren eingerichtet wurde, dürfte nicht nur für die Volkskundler von besonderem Reiz sein. Die Gruppe der sechs Musiker, spielt zur Hochzeit auf. Sie brauchen anscheinend keinen Dirigenten, ein Sänger ist vorgetreten, der die Hochzeitsgesellschaft mit seinem Gesang erfreut. Bei der Hochzeit zu Kana gibt Jesus mit der Wandlung von Wasser zu Wein ein erstes Zeichen seiner göttlichen Natur.


Die Texte sind Auszüge aus dem Krippenfüher " Die Edelstetter Barockkrippe".
Der ausführliche 36-seitige Krippenführer " Die Edelstetter Barockkrippe" mit umfangreichen Informationen über die 250-jährige Krippengeschichte, die Restaurierung und die einzelnen Figuren und Szenen, kann direkt beim Krippenbesuch in der Edelstetter Pfarrkirche erworben werden.